2/07/2012

Neuer Termin: Mündigkeit als Phrase

Der für den 31.01. geplante Vortrag von Magnus Klaue musste aus gesundheitlichen Gründen leider verschoben werden. Hier nun die aktualisierte Ankündigung

Mündigkeit als Phrase. Von der individuellen Autonomie zur 'Emanzipation durch Bildung'. Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue in Münster.

Freitag, 17.02.2012 // 19 Uhr // Club Courage // Friedensstraße 42 (Hinterhof) // Münster

Wohl kaum ein Begriff der Aufklärung ist im Laufe seiner Geschichte in ähmlichem Maße um seinen kritischen Gehalt gebracht worden wie jener der Mündigkeit. Verstand Adorno unter der Formel von der "Erziehung zur Mündigkeit" einen je individuellen Prozeß der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Antagonismen und mit den Institutionen, in denen diese sich niederschlagen - allen voran die Bildungsinstitutionen -, so fordern heute Bildungsstreikler und "kritische StudentInnen" Mündigkeit als Dienstleistung ein, die ihnen der Betrieb zugänglich zu machen habe. Damit stellen sie nur unter Beweis, daß die Erfahrung der Möglichkeit von Freiheit bis in die Triebstruktur der Individuen hinein derart verkümmert ist, daß sie sich diese nur mehr als 'Kompetenz' vorstellen können, die man um jeden Preis erwerben muß, um nicht unter die Räder zu kommen. Kaum zufällig kommt jene historische Erfahrung, die Ausgangspunkt von Adornos Überlegungen zur Mündigkeit gewesen ist, nämlich die der Shoah, dabei allenfalls noch als Gegenstand pädagogischer Zurichtung vor. Diesem Verfall des Begriffs von Mündigkeit zur begriffslosen Beschwörung 'empanzipatorischer' Theorie und Praxis möchte der Vortrag nachgehen.

Weitere Informationen und die Wegbeschreibung gibt es hier.


1/26/2012

Magnus Klaue: ‘Mündigkeit als Phrase’

Und noch ein kleiner Veranstaltungshinweis in fast eigener Sache:

Mündigkeit als Phrase. Von der individuellen Autonomie zur 'Emanzipation durch Bildung'. Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue in Münster.
Dienstag, 31.01.2012 // 18 Uhr // SP4 (Schlossplatz 4, 1 OG) // Münster

Wohl kaum ein Begriff der Aufklärung ist im Laufe seiner Geschichte in ähmlichem Maße um seinen kritischen Gehalt gebracht worden wie jener der Mündigkeit. Verstand Adorno unter der Formel von der "Erziehung zur Mündigkeit" einen je individuellen Prozeß der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Antagonismen und mit den Institutionen, in denen diese sich niederschlagen - allen voran die Bildungsinstitutionen -, so fordern heute Bildungsstreikler und "kritische StudentInnen" Mündigkeit als Dienstleistung ein, die ihnen der Betrieb zugänglich zu machen habe. Damit stellen sie nur unter Beweis, daß die Erfahrung der Möglichkeit von Freiheit bis in die Triebstruktur der Individuen hinein derart verkümmert ist, daß sie sich diese nur mehr als 'Kompetenz' vorstellen können, die man um jeden Preis erwerben muß, um nicht unter die Räder zu kommen. Kaum zufällig kommt jene historische Erfahrung, die Ausgangspunkt von Adornos Überlegungen zur Mündigkeit gewesen ist, nämlich die der Shoah, dabei allenfalls noch als Gegenstand pädagogischer Zurichtung vor. Diesem Verfall des Begriffs von Mündigkeit zur begriffslosen Beschwörung 'empanzipatorischer' Theorie und Praxis möchte der Vortrag nachgehen.

 

Weitere Informationen und die Wegbeschreibung gibt es hier.


1/13/2012

Gerhard Stapelfeldt: “Warum Bildung nicht messbar ist”

Ein kleiner Veranstaltungshinweis in fast eigener Sache:

Warum Bildung nicht messbar ist. Bemerkungen zum gesellschaftlichen Interesse der Bildungsforschung. Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt in Münster.

Donnerstag, 19.01.2012 // 18 Uhr // SP4 (Schlossplatz 4, 1 OG) // Münster

Bildung entzieht sich dem Vergleich und der Messung: das war lange ein so selbstverständlicher, der Idee der Bildung entsprechender Satz, daß man ihn nicht begründen mußte. Wer eine Begründung verlangte, erhielt die triviale Antwort: Bildung heißt nicht Akkumulation und Reproduktion auswendigen Wissens, sondern Formierung eines seiner selbst und seiner Welt bewußten Individuums; Individuen aber sind unvergleichlich.

Bildung ist meßbar und vergleichbar: das ist heute ein so selbstverständlicher Satz, daß niemand auf die Idee zu kommen scheint, es könne sich anders verhalten. Überall wird ‚Bildung’ gemessen und verglichen, überall wird evaluiert, zertifiziert, akkreditiert: in Schulen und Hochschulen, in Bundes­ländern, auf nationaler, europäischer und auf globaler Ebene. Die Ergebnisse des messenden Vergleichs, die Rankings, ziehen eine hohe mediale Auf­merksamkeit auf sich: es sind erste Meldungen von Nachrichtensendungen. Fast scheint es, als ob das Wohl von Bundesländern, Nationen und Kontinenten am Erfolg im Bildungsvergleich hinge. Jedenfalls hängt das Wohl von Schulen, noch mehr von Universitäten, an vergleichsweise ausgezeichneten Meßergebnissen: hervorragende Ergebnisse werden mit finanziellen Zuwendungen belohnt.

Der Vortrag erläutert das gesellschaftliche, ökonomische Interesse der Bildungs-Messung durch die einschlägige Bildungsforschung und untersucht, wie sich unter der Hand der Forschungsmethoden der Gegenstand von der Bildung zur Halbbildung verändert.

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für Soziologie der Universität Hamburg

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe 'Vermessung der Bildung'


11/25/2011

Veranstaltungsreihe in Münster

Da die Promotion in Kombination mit universitärer Lohnarbeit momentan zu viel Zeit frisst, als dass ich mich wesentlichen Dingen widmen könnte, sei an dieser Stelle auf eine interessante Vortrags- und Veranstaltungsreihe in Münster hingewiesen. Der AStA der Uni Münster, der in den letzten Jahren eher bis sehr  negativ in Erscheinung getreten ist, scheint sich in seiner Neubesetzung gefangen zu haben.

Unter dem Titel ‘Totale Theorie’ widmet sich das Referat für Soziales und Bildung der philosophiegeschichtlichen Entwicklung nationalsozialistischer Ideologie. Interessant ist dabei der historische Bogen, der gespannt wird: von frühneuzeitlichen Wissenschaft bis zu den postmodernen Erben der Heiderggerschen Philosophie wird der Frage nach dem Ursprung, aber auch nach dem Fortleben des Nationalsozialismus in der Philosophie nachgegangen.

Besonders interessant dürften für den geneigten Leser bzw. die geneigte Leserin folgende Veranstaltungen sein:

17.01.2012, Gerhard Scheit: Das Sein zum Tode als Philosophie des Nationalismus und die Voraussetzung ihrer Kritik.

23.01.2012, Petra Gehring: Entwicklung der postmodernen Theorie und philosophiegeschichtliche Grundlagen des Poststrukturalismus. (Interessante Vorlesungen von Petra Gehring u.a. zu Hegel und zu philosophischen Krisendiagnosen im 20. Jahrhundert finden sich hier)

01.02.2012, Alex Gruber: Dekonstruktion und Regression
Der Poststrukturalismus als Massenverwalter von Carl Schmitt und Martin Heidegger.

Die ersten beiden Veranstaltungen finden in der Aula im Schloss statt, die letzte im S10, ebenfalls im Schloss.

Nachtrag: Wie ich grade gelesen habe, hält Peter Bierl am Montag, 28.11.2011, um 20:00 Uhr im ClubCourage einen Vortrag zum Thema ‘Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister’. Für Unterhaltung ist also gesorgt, Bier gibt es trotzdem,,,


9/07/2011

Einmal Zukunft bitte - Beobachtungen aus Tel Aviv

(Gastbeitrag)

Aaah…Tel Aviv. Kaffeetrinken, Strand, Sonnenuntergang, Falafel, Revolution.
Es ist Samstagabend, der Abend des vorerst letzten Protestmarsches für soziale Gerechtigkeit in Israel. Und des größten.


In der vorherigen Woche hatten es gerade mal 2000 Menschen in Jerusalem auf die Straße geschafft. „Bibi Bibi, guten Abend, Jerusalem ist auf der Straße“ (auf hebräisch reimt es sich und klingt ziemlich catchy) wurde skandiert, stimmte aber nicht so ganz. Man war enttäuscht, das Ende der Proteste wurde befürchtet. Viele der Dauercamper auf dem Rothschild-Boulevard in Tel Aviv und der King George Street in Jerusalem sind offenbar in ihre überteuerten Wohnungen zurückgekehrt. Vielleicht waren die Terrorangriffe im Süden Israels Mitte August ein Grund. Es ist sicher auch ermüdend bei über 30 Grad im Schatten und hoher Luftfeuchtigkeit in einem stickigen Igluzelt zu wohnen. Ganz zu schweigen davon, dass außer dem Versprechen von kosmetischen Reformen seitens der Regierung und der Senkung des Preises für Hüttenkäse bislang nicht viel erreicht wurde.

Dementsprechend wurde die Ankündigung, am 3.9. zum „one-million-march“ zu mobilisieren auch eher belächelt. Die größte Demo in der Geschichte Israels – ein absurder Anspruch. Und doch – It’s million time. Während ich mit Ron am Kikar Habima, dem Auftaktort des Protestmarsches, sitze und er mir erklärt, dass man ist was man isst und Veganismus daher eine gute Sache ist, sammeln sich um uns herum immer mehr Menschen. Wir setzen uns in Bewegung. Obwohl bereits 15 Minuten vergangen sind, seit der Marsch begonnen hat, sind wir immer noch mittendrin. 300 000 Menschen alleine in Tel Aviv lese ich am nächsten Morgen. 50 000 in Jerusalem, 40 000 in Haifa. Es ist tatsächlich die größte Demonstration in der Geschichte Israels.

Ron liefert wie gewohnt den obligatorischen Zynismus und holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück: „Ich glaube nicht dass wir etwas erreichen. Die letzte größte Demonstration in der Geschichte Israels war 1995. Damals haben wir erreicht, dass Rabin erschossen wurde.“ Heute stirbt zum Glück niemand, keine Terroristen oder religiösen Fanatiker schießen um sich.

Eine Veganergruppe läuft an uns vorbei. „Pelz ist nicht richtig“ proklamiert eines ihrer Schilder, das dazugehörige Foto zeigt einen toten Hund mit blutiger Nase. Ron und ich freuen uns über die Willkür mancher ProtestteilnehmerInnen. Dass der gängige Slogan „das Volk fordert soziale Gerechtigkeit“ von den TierrechtlerInnen in „das Volk fordert veganes Essen“ umgewandelt wird, ist einer der absurden Momente dieses Abends. Ein anderer Slogan, weniger vegan, lautet „das Volk fordert French Toast“. Denn „zedek chevrati“ (soziale Gerechtigkeit) und „lechem zarfatit“ (French Toast) haben einen recht ähnlichen Klang. Auch schön: „Das Volk fordert Krempel“ – sicher, warum immer konkret festlegen? Warum allerdings die äthiopische Trommelgruppe eine deutsche Antifa-Fahne schwingt bleibt genauso unklar, wie die Bedeutung des aus leuchtenden Golfbällen bestehenden Schriftzuges „Boker tov“ (guten Morgen), der an diesem verhältnismäßig lauen Samstagabend auf einem Transparent in die Dunkelheit strahlt. Aber aufwändig Gebasteltes überzeugt – so auch das 2x2 Meter Porträt von Ghandi aus Kronkorken.


Von den hebräischen Abschlusskundgebungen auf dem Kikar Hamedina verstehe ich nichts, bis auf die üblichen „Ze-dek Chev-ra-tiiiiiiiiiiii“-Chöre. Und „Wir sind das neue Israel“. Auf die Frage hin, warum Ron während der Rede von Daphni Leef, einer der Hauptfiguren der Protestbewegung, in Lachen ausbricht, übersetzt er mir die Worte der Rednerin: Angeblich völlig unzusammenhängend habe sie darauf hingewiesen, dass sie und ihre Generation nicht nur Krieg und Intifada, Entführungen und Tod von Freunden miterleben mussten, sondern auch zur dritten Generation nach dem Holocaust gehören. Ron freut sich über diese Vorlage und beschließt, in Zukunft alles mit der Begründung einzufordern, er gehöre zur dritten Generation nach der Shoah und habe deswegen ein Recht auf Sonderbehandlung. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum er das so absurd findet und teile mein Wasser mit ihm.

Bei der Demonstration in der vorigen Woche durfte Gilat Shalits Vater eine Rede halten. Und auch wenn sicherlich alles miteinander zusammenhängt und die hohen Lebenshaltungskosten nicht ohne die Ausgaben für Rüstung und Verteidigung oder die enorme Subventionierung der haredischen Juden verstanden werden können, nimmt es Rons Meinung nach der Bewegung den Wind aus den Segeln, den Massenprotest für ein bezahlbares Leben mit der – selbstverständlich berechtigten – Forderung der Freilassung eines israelischen Soldaten aus den Fängen der Hamas zu verknüpfen.


Linke Bewegungen, die nicht allein die Besatzung der palästinensischen Gebiete oder die Repression der arabischen Bevölkerung in Israel thematisieren, sondern Themen wie Arbeiterrechte, Privatisierung oder die Preise für Hüttenkäse ansprechen, haben es in Israel traditionell schwer. Und auch jetzt, nach einem Sommer der „Revolution“, nachdem zum ersten Mal in der Geschichte Israels Hunderttausende für ihre eigenen Anliegen auf die Straße gegangen sind, droht der 20. September am Horizont - der Tag an dem Abbas die UN-Vollversammlung dazu aufrufen will, den Palästinensischen Staat anzuerkennen. Was dann passiert, ist schwer vorherzusagen. Aber ganz gleich ob es eine dritte Intifada, Krieg oder das Ende von Israel bedeutet - die Frage dieses Sommers, unter welchen sozialen Bedingungen die israelische Bevölkerung ihr Leben in diesem Land verbringt, weicht der Frage, ob sie es hier überhaupt verbringen kann. Das erscheint mir traurig und demotivierend.


Dankbar für den Zynismus meiner israelischen Freunde flüchte ich mich in deren Gespräche über die grottige Misrachit-Popmusik von Eyal Golan, der gerade seinen Auftritt auf der Abschlusskundgebung hat. Wir laufen zurück, die Straßen gleichen einem Openair-Festival. Gut gelaunte Menschen trinken Bier, Hippies verteilen free hugs und überall liegen Flyer, Gratiszeitungen und Transparente herum. Ich beende den Abend in einer Bar mit einem Glas Goldstar – natürlich viel zu teuer – und hoffe, dass die Proteste mehr als französisches Toastbrot für alle erreichen werden.


5/08/2011

Spasibo - Thank you - Merci!

 

In dieser Reihenfolge. Sonst nichts. Danke!


1/23/2011

Untersuchungsbericht zur Mavi Marmara

Eine Untersuchungskommission in Israel ist in einem umfassenden Bericht zum Schluss gekommen, dass der Einsatz gegen die Terrorflotte für die HAMAS im Gazastreifen vom 31. Mai 2010 rechtmässig war. Abschließend heißt es darin:

After a journey full of obstacles and pitfalls, and after exhaustive
investigations, inquiries, studies and discussions, we unanimously and
wholeheartedly summarize our conclusions:
The naval blockade imposed on the Gaza Strip - in view of the
security circumstances and Israel’s efforts to comply with its humanitarian
obligations - was legal pursuant to the rules of international law.
The actions carried out by Israel on May 31, 2010, to enforce the
naval blockade had the regrettable consequences of the loss of human
life and physical injuries. Nonetheless, and despite the limited number of
uses of force for which we could not reach a conclusion, the actions taken
were found to be legal pursuant to the rules of international law.
‘Now all has been heard, here is the conclusion of the matter.’

Den gesamten Bericht gibt es als PDF-Datei bei prozionnrw.