6/21/2010

“Einfach nur widerlich” – Die Idiosynkrasie der TAZ-Leser

Im Rahmen der TAZ-Debatte um das “deutsch-israelischen Verhältnis und der deutschen Haltung im Nahostkonflikt” hat Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit seinem Kommentar Feiger Hass vorgelegt. Im wesentlichen behandelt der Text den Vorfall auf der Mavi Marmara sowie die antisemitischen Reaktionen darauf. Zudem stellt er folgende, banale These auf:

Es gibt in der deutschen Öffentlichkeit eine besondere Sorte von Menschen, die von einem dunklen, nicht offen eingestandenen Motiv gelenkt werden: Judenhass. Man kann diese Menschen zum Beispiel in Teilen der antizionistisch geprägten extremen Linken und propalästinensischen Unterstützergruppen finden. Auch einzelne Mitglieder der Linkspartei gehören dazu. Im Gegensatz zum unverblümten Antisemitismus von Rechtextremisten und Neonazis pochen diese selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte auf ihr "legitimes" Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren.

Der Beleg dieser These findet sich jedoch weniger im Text selbst, als vielmehr in den Kommentaren. Wer also etwas über das nackte Elend der TAZ-Leser wissen möchte, dem seien diese zur Lektüre ans Herz gelegt. Da ist alles mit dabei, von einem Antisemitismusbegriff auf Kindergartenniveau über die unvermeidlichen Abokündigungen, bis hin zu tiefen Erkenntnissen aus dem Bereich Rassenkunde. Wer noch einen Beleg zur These sucht, der Kommunismus sei gegen die Linke durchzusetzen und nicht mit ihr, der ist hier richtig. Ein Auszug aus den letzten fünfzehn(!) Beiträgen, bei denen man geradezu fühlen kann, dass Kramers Text bei ihnen tiefsitzende, physische Ekelreaktionen hervorgerufen haben muss:

“Einfach nur wiederlich dieser Kommentar”

“Einfach widerlich dieser Artikel! “

“Der gute Kramer, immer die Nazi Keule in der Hand. Es muss ihm ja schrecklich weh tun dass er kein Jude von Geburt her ist. […] Das er seine merkwürdige Meinung jetzt schon bei der taz unter die Leute bringen kann war für ihn sicher ein "innerer Reichsparteitag".”

”Das die isreaelis Meister der Propaganda sind haben sie schon des öfteren bewiesen.”

“Keine taz mehr für mich, Ihr verbreitet mit solchen schlechten Artikeln Hass gegenüber meinen jüdischen Freunden.”

“Ich konnte den Artikel gar nicht in einem Stück lesen - mittendrin war ich vor Wut außer mir und hab die Zeitung weggelegt.”

“Wir haben bestimmt eine Stunde über diesen Artikel geredet. Fazit: Absolute Verständnislosigkeit, einer nach dem anderen hat sich in Rage geredet. “

"Feiger Hass" produziert wirklich nichts anderes als Hass - und zwar auf Kramer.

“Bei Kritik immer eine Ausrede parat und jede Menge gute Menschen, die einen gegen alles verteidigen”

“Wir (Demokraten, die die Wahrheit lieben und Gott fürchten), würden nie auch nur wagen, einen israelischen JUDEN zu kritisieren. Die sind alle ausnahmslos total spitze und fair und würden keiner Fliege etwa zu Leide tun.”

“Aber wer will den Karrieristen Kramer überhaupt ernstnehmen? Wenn ich doch richtig informiert bin, hat der damalige Protestant sich erst mit anscheinend wenig Erfolg in Junger Union und FDP versucht, aber sein großer Karriereerfolg kam wohl erst mit dem Glaubensübertritt und dem Aufstieg zum jüdischen Mixa - einem erzkonservativem Einpeitscher und Provokateur, unfähig der sachlichen Diskussion und nur auf mediale Aufmerksamkeit aus.”

Usw. usw.


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