8/27/2010

Thilo von Treitschke?









Wie ich bereits in einem früheren Beitrag mit Bezug auf PI schrieb:
"Ich halte, wie ihr, wenig vom Begriff der Islamophobie. Zum einen, weil dieser Begriff ein Kampfbegriff ist, der meist dazu dient, Kritiker des Islams zu pathologisieren und auf eine Stufe mit Antisemiten zu stellen. Diesem Punkt werdet ihr wohl zustimmen. Ich würde dennoch niemals leugnen, dass es Gegner des Islams gibt, denen ebenso entschieden entgegengetreten werden sollte wie anderen Rassisten – weil sie selbst Rassisten sind. Der Fehler am Begriff der Islamophobie ist nämlich beileibe nicht der, dass es nicht etwas gäbe, dass man darunter fassen könnte; der Fehler ist vielmehr, dass er das Kind nicht beim Namen nennt: es handelt sich um ganz ordinären (sei er nun biologistisch oder kulturalistisch begründet) deutschnationalen Rassismus. Eure ganze Kritik an der schleichenden Islamisierung ist nichts anders als pseudorationalisierte Überfremdungsangst."
Dem ist eigentlich im Hinblick auf Thilo "Mendelsche Gesetze" Sarrazin nichts hinzuzufügen. Natürlich findet er mit seinen rassistischen Invektiven bei Nazis aller Couleur regen Anklang: bei der NPD, den Pro-Parteien,  und der Mehrheit der Deutschen (natürlich auch der Mehrheit der Linksparteiwähler, das nur nebenbei) sowieso. Das er nun ausgerechnet aus der SPD ("Die Müßiggänger schiebt beiseite") kommt, verwundert nur, wer die Geschichte der in-dubio-pro-patria-Partei nicht zur Kenntnis nimmt. Was Sarrazins Rassismus angeht, so bleibt Alan Poseners angemessen polemischem Videokommentar wenig hinzuzufügen.
  
Was Sarrazin hoch anzurechnen ist, ist, dass er grade unter den Islam- und Multikulturalismuskritikern die Spreu vom Weizen trennt. Mag sein, dass sich auch Idioten und Islamversteher gegen Sarrazin stellen - aber der Feind meines Feindes ist noch lange nicht mein Freund! Islamkritik bekämpft die Religion und das ihr entsprechende Zwangskollektiv, sie ist universalistisch oder gar nicht und fordert deswegen weder die Ausweisung noch ein Einreiseverbot, weil patriarchal-religiöse Arschlöcher überall patriarchal-religiöse Arschlöcher sind. Wo Sarrazin von Unterdrückung in islamischen Communities spricht, geht  es nicht um eine Befreiung der vom Islam Unterdrückten, sondern um eine Befreiung der Deutschen getreu dem Motto: Unterdrückung ja, aber woanders - denn hier macht Unterdrückung unproduktiv. Seine Kritik am Islam und seinen Folgen ließt sich dementsprechend wie folgt:

• unterdurchschnittliche Integration in den Arbeitsmarkt
• überdurchschnittliche Abhängigkeit von Sozialtransfers
• unterdurchschnittliche Bildungsbeteiligung
• überdurchschnittliche Fertilität
• räumliche Segregation mit der Tendenz zur Bildung von Parallelgesellschaften
• überdurchschnittliche Religiosität mit wachsender Tendenz zu traditionalen beziehungsweise fundamentalistischen Strömungen des Islam
• überdurchschnittliche Kriminalität, von der „einfachen” Gewaltkriminalität auf der Straße bis hin zur Teilnahme an terroristischen Aktivitäten.

Staatsloyal und kapitalproduktiv bis in den Tod – anders hat sich das Wesen dessen, was deutsch ist, nie ausbuchstabiert. Natürlich hat Sarrazin nicht grundsätzlich etwas gegen islamische Herrschaft einzuwenden, nur bitte nicht hier:

„Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken türkisch und arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. Wenn ich das erleben will, kann ich eine Urlaubsreise ins Morgenland buchen. Ich möchte nicht, dass wir zu Fremden im eigenen Land werden.“

Auch wenn Sarrazin in bester deutscher Tradition steht, so ist Kramers Treitschke-Vergleich dennoch unangebracht. Der Antisemitismus will die Vernichtung des Juden, hier und anderswo. 





Leseempfehlung:

Der Lindwurm: Zu Sarrazin und seinen Fans: "Rassismus bleibt Rassismus"

1 Kommentar:

  1. Ob man nun einem Sarrazin irgendetwas hoch anrechnen können muss, wage ich zu bezweifeln. Ansonsten aber vielen Dank für Deine Einschätzungen! Den von Dir oben genannten Begriff der "pseudorationalisierten Überfremdungsangst" werde ich sogar in meinen Wortschatz übernehmen. Schöne Grüße von der anderen Seite der Solidaritätsmauer ;-)

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