1/26/2012

Magnus Klaue: ‘Mündigkeit als Phrase’

Und noch ein kleiner Veranstaltungshinweis in fast eigener Sache:

Mündigkeit als Phrase. Von der individuellen Autonomie zur 'Emanzipation durch Bildung'. Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue in Münster.
Dienstag, 31.01.2012 // 18 Uhr // SP4 (Schlossplatz 4, 1 OG) // Münster

Wohl kaum ein Begriff der Aufklärung ist im Laufe seiner Geschichte in ähmlichem Maße um seinen kritischen Gehalt gebracht worden wie jener der Mündigkeit. Verstand Adorno unter der Formel von der "Erziehung zur Mündigkeit" einen je individuellen Prozeß der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Antagonismen und mit den Institutionen, in denen diese sich niederschlagen - allen voran die Bildungsinstitutionen -, so fordern heute Bildungsstreikler und "kritische StudentInnen" Mündigkeit als Dienstleistung ein, die ihnen der Betrieb zugänglich zu machen habe. Damit stellen sie nur unter Beweis, daß die Erfahrung der Möglichkeit von Freiheit bis in die Triebstruktur der Individuen hinein derart verkümmert ist, daß sie sich diese nur mehr als 'Kompetenz' vorstellen können, die man um jeden Preis erwerben muß, um nicht unter die Räder zu kommen. Kaum zufällig kommt jene historische Erfahrung, die Ausgangspunkt von Adornos Überlegungen zur Mündigkeit gewesen ist, nämlich die der Shoah, dabei allenfalls noch als Gegenstand pädagogischer Zurichtung vor. Diesem Verfall des Begriffs von Mündigkeit zur begriffslosen Beschwörung 'empanzipatorischer' Theorie und Praxis möchte der Vortrag nachgehen.

 

Weitere Informationen und die Wegbeschreibung gibt es hier.


1/13/2012

Gerhard Stapelfeldt: “Warum Bildung nicht messbar ist”

Ein kleiner Veranstaltungshinweis in fast eigener Sache:

Warum Bildung nicht messbar ist. Bemerkungen zum gesellschaftlichen Interesse der Bildungsforschung. Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt in Münster.

Donnerstag, 19.01.2012 // 18 Uhr // SP4 (Schlossplatz 4, 1 OG) // Münster

Bildung entzieht sich dem Vergleich und der Messung: das war lange ein so selbstverständlicher, der Idee der Bildung entsprechender Satz, daß man ihn nicht begründen mußte. Wer eine Begründung verlangte, erhielt die triviale Antwort: Bildung heißt nicht Akkumulation und Reproduktion auswendigen Wissens, sondern Formierung eines seiner selbst und seiner Welt bewußten Individuums; Individuen aber sind unvergleichlich.

Bildung ist meßbar und vergleichbar: das ist heute ein so selbstverständlicher Satz, daß niemand auf die Idee zu kommen scheint, es könne sich anders verhalten. Überall wird ‚Bildung’ gemessen und verglichen, überall wird evaluiert, zertifiziert, akkreditiert: in Schulen und Hochschulen, in Bundes­ländern, auf nationaler, europäischer und auf globaler Ebene. Die Ergebnisse des messenden Vergleichs, die Rankings, ziehen eine hohe mediale Auf­merksamkeit auf sich: es sind erste Meldungen von Nachrichtensendungen. Fast scheint es, als ob das Wohl von Bundesländern, Nationen und Kontinenten am Erfolg im Bildungsvergleich hinge. Jedenfalls hängt das Wohl von Schulen, noch mehr von Universitäten, an vergleichsweise ausgezeichneten Meßergebnissen: hervorragende Ergebnisse werden mit finanziellen Zuwendungen belohnt.

Der Vortrag erläutert das gesellschaftliche, ökonomische Interesse der Bildungs-Messung durch die einschlägige Bildungsforschung und untersucht, wie sich unter der Hand der Forschungsmethoden der Gegenstand von der Bildung zur Halbbildung verändert.

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für Soziologie der Universität Hamburg

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe 'Vermessung der Bildung'